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Yonassan Gershom in Mitteleuropa, 1997

Vorwort für die deutsche Ausgabe seines Buches,
Kehren die Opfer des Holocaust wieder?

( Übersetzung von Beat Brodbeck)

(To English original of this article)

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Als meine Bücher über Reinkarnation von Holocaust-Opfern auf englisch veröffentlicht wurden, war ich noch nie in Europa gewesen. Städte wie Berlin, Wien, Weimar und Stuttgart kannte ich nur durch die traurige und tragische Geschichte meines Volkes in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Die Namen der jüdischen Dörfer in Osteuropa leben in den chassidischen Geschichten, aber ihre jüdischen Bewohner sind durch die Nazis längst zu Asche geworden. Wie ein Freund zu mir sagte: «Für die Juden ist Europa nichts anderes als ein riesiger Friedhof.»

So stieg ich im Frühling 1997 mit gemischten Gefühlen ins Flugzeug, um in Berlin an den Goetheanum-Tagen zu sprechen, die dem Thema «Reinkarnation und Karma» gewidmet waren. Auf einem Teil der Reise geriet ich mit sechs Neonazi-Skinheads zusammen ins gleiche Flugzeug. Wie merkwürdig, dachte ich für mich, daß diese modernen Antisemiten ihre Köpfe so kahl rasieren, wie es bei den Angehörigen meines Volkes vor etwas über fünfzig Jahren in den Konzentrationslagern gemacht wurde. Sind Skinheads die Seelen von Holocaust-Opfern, die sich mit ihren Unterdrückern identifiziert haben und als Nazis zurückgekehrt sind? Oder sind sie die Seelen von Nazis, die sich immer noch etwas auf die Symbole ihrer vergangenen Inkarnation im Dritten Reich einbilden und damit renommieren? Solche ernüchternden Gedanken gingen mir durch den Kopf, als wir in Berlin zur Landung ansetzten.

Diese sechs jungen Leute waren die einzigen Skinheads, die ich auf meiner ganzen Vortragsreise antraf. Die große Mehrheit der Europäer begegnete mir freundlich und mit ernsthaftem Interesse, etwas über den jüdischen Glauben und die jüdischen Lehren zu erfahren. Einer der Höhepunkte der Tagung in Berlin war der magische Moment, als wir uns alle – Deutsche und Juden – die Hände reichten, um einen chassidischen Niggun, einen jüdischen Meditationsgesang, zu singen. Ai-ai-ai sangen wir zusammen und legten unsere tiefsten, herzlichsten Empfindungen in diese Silben, die keine Bedeutung haben und alle Sprachgrenzen überwinden. So mächtig war dieses Gemeinschaftserlebnis, daß mich Leute, die in Berlin dabei waren, auf den weiteren Stationen meiner Reise jeweils baten, das Programm mit diesem Gesang abzuschließen. So geschah es, daß ein chassidisches Niggun aus der Zeit vor dem Holocaust zum Symbol für Frieden und Heilung wurde.


Nicht alles war so erfreulich in Europa. Es gab auch Momente tiefer Trauer für mich. Auf dem Friedhof von Esslingen weinte ich am Familiengrab der Lindauers, wo die Vorfahren von Sigrid Dreyfuss – deren Bericht «Sage ‹Kaddisch› für uns» in diesem Buch abgedruckt ist – begraben sind. Sigrid selber konnte vor dem Holocaust fliehen, aber sechsunddreißig Angehörige ihrer Familie konnten das nicht. Das letzte Lindauer-Grab in Esslingen ist 1938 datiert. Sigrid hatte einen ortsansässigen Deutschen gebeten, sich um die Lindauer-Gräber zu kümmern, doch die Grabstätten vieler anderer jüdischer Familien sind überwachsen und vernachlässigt, und es gibt keine lebenden Nachkommen, die dieser Menschen gedenken. So ist es an vielen Orten Europas. Oft wurde ich von den Schandtaten, die gegen mein Volk verübt wurden, unmittelbar berührt, so als ob Energieströme, die mit diesen Taten zusammenhängen, noch im Äther nachwirkten. Mehrmals versetzte mich auf Eisenbahnfahrten die schüttelnde Bewegung in einen veränderten Bewußtseinszustand. Ich litt die Qual der Juden mit, die, in überfüllte, stickige Waggons gepfercht, die gleichen Routen zurücklegen mußten. Andere Male, während ich etwas gedankenverloren aus dem Fenster blickte, erschienen mir Bilder von über die Felder fliehenden Menschen, an denen der Zug vorüberraste.

Um diese belastenden Erlebnisse zu verarbeiten, suchte ich oft Gottes Nähe in der freien Natur. Mein Hobby ist die Ornithologie, und an den Tagen ohne öffentlichen Auftritt erforschte ich die nähere Umgebung – manchmal allein, manchmal mit Freunden. Dabei wurde ich mit einigen meiner früheren Erdenleben konfrontiert.

Einmal wanderten Ulrich Morgenthaler und ich in der Schwäbischen Alp. Er erzählte mir, daß im Mittelalter jede Zunft ihr eigenes Stück Wald besaß, wo sie Holz zum Heizen schlug. Ohne zu überlegen, rief ich ärgerlich: «Ja, Ulrich, und hätte ich damals hier gewohnt, so hätte ich das Holz von dir oder jemand anderem kaufen müssen, denn die Juden durften kein Land besitzen. Viele von uns erfroren, weil wir es uns nicht leisten konnten, Holz zu kaufen.»

Plötzlich lief ein Frösteln über meinen Rücken. Wir erfroren – ich hatte wir gesagt, nicht sie. Jetzt wußte ich, weshalb es mir immer ein Schrecken war zu frieren. Während ich in Deutschland durch den Wald wanderte, wurden Erinnerungen an ein vergangenes Leben im Mittelalter geweckt, wo es mir als Jude verboten war, Holz zu schlagen, und ich deshalb erfroren war. Jetzt forderte ich mein Recht, mich frei in den Wäldern Europas zu bewegen. Auf der weiteren Reise wanderte ich mit Stolz und innerer Kraft auf diesen Waldpfaden.

In Wien führte mich ein Fußweg zu einem Ort, der Antonshöhe genannt wird, wo die Menschen der Jungsteinzeit Feuerstein für ihre Werkzeuge genommen hatten. Ich habe ähnliche archäologische Stätten in Amerika besucht, wo die Ureinwohner gelebt und gearbeitet hatten. Diese Orte waren aber lediglich von historischem Interesse für mich. Auf der Antonshöhe hatte ich ein völlig anderes Erlebnis – ein Erlebnis, das mich in tiefster Seele ergriff. Ich spürte eine starke Verbindung zu dem Ort – so stark, daß ich genau wußte, wo der beste Feuerstein zu finden war, noch bevor ich überhaupt an der Stelle angelangt war. Hatte ich hier in einem längst vergangenen Leben in der Morgendämmerung der menschlichen Geschichte Feuerstein gesucht? Beim Herauslesen der Feuersteinsplitter aus dem kreidig weißlichen Muttergestein hatte ich ein vertrautes Gefühl in der Hand. In Wirklichkeit gibt es den «Ewigen Juden», der immer wandern muß, nicht, denn wir Juden sind zusammen mit der übrigen Menschheit mit der Erde verwurzelt.


Die seltsamsten Augenblicke erlebte ich in Buchenwald. Beim Besuch eines jüdischen Grabes ist es Brauch, einen kleinen Stein zu hinterlassen, damit spätere Besucher sehen, daß man hier war und die Toten nicht vergessen sind. Ich hatte von Amerika eigens kleine Kieselsteine aus Sandstein mitgebracht, und zwar von dem Gestein, nach dem mein Wohnort Sandstone in Minnesota benannt ist, in der Absicht, sie bei den Massengräbern in Buchenwald zu hinterlegen. An jenem Morgen steckte ich die Steine sorgfältig in meine Tasche. Aber als der Moment kam, sie auf die Gräber zu legen, waren sie verschwunden. Waren sie mir unterwegs aus der Tasche gefallen? Das war die rationale Erklärung. Aber der Vorfall hatte auch eine geistige Bedeutung. Meine Steine waren nicht für die klar bezeichneten Gräber bestimmt, die so viele andere auch besuchten, sondern für unbekannte Gräber von Juden, die vergessen waren. Gott hat meine Steine dorthin gelegt, wo sie wirklich hingehören.

Im Museum von Buchenwald sah ich Photographien von Juden im Holocaust, die genau so gekleidet waren wie ich, mit schwarzem Hut und langen, herabhängenden Schläfenlocken. Mein Freund Ulrich sagte mir, es mache ihn nervös, daß ich so «offensichtlich jüdisch» aussehe. Als wir am Vortag durch Weimar spazierten, fiel ein Stein neben mir auf den Bürgersteig – ein Stein, der vom losen Mörtel des alten Gebäudes stammen konnte, an dem wir vorübergingen, oder den vielleicht einer der Knaben geworfen hatte, die hinter uns auf der Straße spielten. «Der ist von dem Haus hier heruntergefallen», sagte ich laut. Wenn die Knaben den Stein geworfen hatten, um einen Juden zu schikanieren, wollte ich ihnen nicht die Genugtuung verschaffen, daß ich mich darüber betroffen zeigte. So gingen wir in Frieden weiter.

Als ich im Museum von Buchenwald am Ende eines Ganges um die Ecke biegen wollte, prallte eine ältere Dame fast mit mir zusammen. Sie hielt an und starrte mich an wie einen Geist. Etwas verlegen entschuldigte sie sich und erklärte dann: «Einen Moment lang dachte ich, ich kenne Sie von früher.» Dann ergriff sie meine Hände, schaute mir tief in die Augen und sagte: «Ich freue mich sehr, daß es immer noch Chassidim gibt auf der Welt. Als hier die Kommunisten regierten, wußten wir nie etwas von Israel oder den Juden. Wir dachten, ihr wärt alle tot. Ich bin froh, daß dies nicht stimmt.» Sie ließ meine Hände los, drehte sich um und ging.

Ich hatte genug von dem Museum. Ich mußte allein sein. Außen am Lager führte ein Fußweg dem Zaun entlang in den Wald. Im Lager war ein Kiesbelag, dann kam der Stacheldrahtzaun, und auf der anderen Seite des Weges war es grün, denn der Wald hatte sich wieder ausgebreitet. Die Wegspur verlief zwischen diesen beiden Schauplätzen wie eine Brücke, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.

Beim Touristeneingang war der Stacheldraht erneuert worden, aber weiter hinten, im Wald, war der ursprüngliche Draht noch vorhanden, verrostet und von den Isolatoren abgefallen, die ihn vor fünf Jahrzehnten gehalten hatten. Zwischen den Zementpfosten wuchsen hohe Bäume, und ich sah wildwachsende Blumen, die blühten. Eine Nachtigall – die einzige, die ich auf meiner ganzen Reise sah – saß auf einem der Zementpfosten. Aber sie sang nicht.

Ich erreichte eine kleine Lichtung, und dort verließ ich die Wegspur, um einen Platz zu finden, wo ich Hisboddidus machen konnte, eine Art privates Gebet, das die Breslauer Chassidim sprechen. Ich ging auf einen großen Felsblock zu und dachte, dort könne ich mich gut hinsetzen und meditieren. Der Fels entpuppte sich als riesiger Steinbuchstabe «C». Ich drang weiter vor und fand noch mehr Steinbuchstaben, manche zerbrochen, die zusammen «Buchenwald» ergaben. Ich setzte mich auf das «N» und fing an, Gott mein Herz in einem nicht endenwollenden Strom von Empfindungen auszuschütten, der bald nicht mehr mit Worten zu artikulieren war und in ein ai-ai-ai des chassidischen Niggun überging. Ich fand keine Worte, die ausdrücken konnten, was ich damals empfand, und ich finde auch jetzt keine Worte, um es zu beschreiben. Mir war, als ob Hunderte von jüdischen Seelen um mich waren, die in den Niggun mit einstimmten. Wie ein Wirbelwind schienen sich die Seelen um mich zu drehen, dann erhoben sie sich in den Himmel. Ich war wieder allein – und hatte Frieden gefunden. Die Nachtigall war verschwunden, doch hörte ich andere Vögel singen.

Als ich auf dem Weg zum Touristengebiet zurückkehrte, dachte ich an die vielen Seelen, die mit ihrem letzten Atemzug gelobt hatten, vom Holocaust Zeugnis abzulegen. «Ich muß überleben», war ihr ständiger Gedanke gewesen. «Ich muß überleben, um der Welt davon zu berichten.» Diese Gelübde waren so stark, daß viele von denen, die mit ihren physischen Leibern nicht überlebten, in der geistigen Sphäre um Buchenwald verharrten. Sie wollten mit der Erde verbunden bleiben, bis die Welt die Geschichte ihres Leidens erfahren haben würde.

Zur Zeit des kommunistischen Regimes stand auf den Hinweistafeln nicht, daß hier Juden gestorben waren – es war nur von «Sowjetbürgern» die Rede. Der von den Nazis an den Juden um ihres Jüdischseins willen verübte Völkermord wurde von der Sowjetunion nicht bestätigt. So waren die jüdischen Seelen während Jahrzehnten erbittert an der Erde haften geblieben, um die Erinnerungen zu bewahren, welche die Welt vergessen wollte. Jetzt erst, da die Schilder in Buchenwald abgeändert werden und die Wahrheit mitteilen, werden diese Seelen erlöst, so daß sie sich in die Geistregion erheben können. Wie Abbye Silverstein in ihrem Beitrag «Die Heilerin heilt sich selbst» in diesem Buch erklärt, werden die Erinnerungen jetzt von den Museen gehütet.

Als ich in Berlin war, fragten mich verschiedene Anthroposophen: «Wie kann es sich bei den Fällen in Ihren Büchern um wiederverkörperte Seelen handeln, die in den Gaskammern ums Leben gekommen sind, wenn doch Zyankali die Seele für immer zerstört?» Ich verstand diese Frage nicht. Aus jüdischer Sicht ist die Seele ewig und kann nie zerstört werden, außer – was der Himmel verhüten möge – durch den Willen Gottes. Die Art des irdischen Todes kann das Weiterleben der Seele nicht beeinflussen, weil der Körper nur ein vorübergehendes Kleid ist. Deshalb sollte der Tod durch Zyankali nicht anders sein als sonst ein Tod.

Später wurde mir erklärt, Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, habe gesagt, daß die Einnahme von Zyankali die Seele völlig auflöse, so daß diese zusammen mit Körperteilchen im Weltall zerstreut werde und sich nicht mehr inkarnieren könne. Ein Anthroposoph meinte sogar, weil Zyankali die Seele zerstöre, könnten die von mir dargestellten Fälle von Reinkarnation gar nicht Holocaust-Opfer sein. Er vermutete, daß es sich um Seelen von Nazis handle, die sich während ihrer «Lebensrückschau» nach dem Tod mit ihren Opfern identifiziert hatten und nun mit Erinnerungen wiedergeboren wurden, die ihnen als die eigenen erschienen. Ich fand diese Theorie lächerlich und sagte es ihm. Sie paßt nicht mit den Einzelheiten der Fälle zusammen, mit denen ich zu tun hatte, und scheint mir ein Versuch, Steiners Aussagen über Zyankali in dogmatischer Weise zur Anwendung zu bringen.

Doch die Sache mit dem Zyankali kam in jeder Versammlung auf meiner Tournee zur Sprache. Als ich in die Vereinigten Staaten zurückkehrte, wollte ich die Quelle aufsuchen, um festzustellen, was Steiner genau über Zyankali gesagt hatte. Dies war schwieriger, als ich erwartet hatte, weil der entsprechende Vortrag noch nicht auf englisch übersetzt war. Die meisten amerikanischen Anthroposophen hatten von dieser Aussage noch gar nie gehört. Doch Gott hat mich in bezug auf diese Frage offensichtlich geführt, denn mitten in meinen entmutigenden Nachforschungen rief mich eine mir völlig unbekannte Frau «aus dem Blauen heraus» an und fragte, ob ich je von dieser Aussage Steiners gehörte hätte. Mit ihrer Hilfe gelang es mir, das Zitat zu finden, das folgendermaßen lautet:

«Wenn Sie aber durch Zyankali sich vergiften [beachten Sie bitte den Gebrauch des Reflexivpronomens ‹sich›], dann hat die Seele die Absicht, überall mit jedem Körperteilchen mitzugehen, und namentlich sich auszubreiten im Stickstoff und sich aufzulösen im Weltenall. Das ist der wirkliche Tod von Seele und Geist.» (Rudolf Steiner, Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur, Gesamtausgabe Nr. 351, Dornach 1988.)

Der Gebrauch des Reflexivpronomens «sich» – sich vergiften – heißt für mich, daß an dieser Stelle von Selbstmord und nicht von einem Mordopfer in einer Gaskammer die Rede ist. Beachten Sie auch, daß Steiner im selben Abschnitt sagt, die Seele, die sich mit Zyankali vergiftet, hat die Absicht, sich im Weltenall aufzulösen. Auch dies weist auf Selbstmord hin, nicht auf Mord.

In meiner Tätigkeit als Rabbi hatte ich mit selbstmordgefährdeten Menschen zu tun, die nicht nur sterben, sondern ihre Existenz ganz auslöschen wollten. Tatsächlich glauben Menschen, die Selbstmord begehen wollen, nicht an ein Leben nach dem Tod und erwarten, daß ihr individuelles Bewußtsein aufhört, wenn sie sich getötet haben. Es gibt Menschen, die in ihrer tiefen Niedergeschlagenheit wirklich wünschen, ihre Seele möge sich für immer im Weltall auflösen. So jemand könnte zu Zyankali greifen, weil es schnell wirkt und sicher zum Tod führt.

Die Holocaust-Opfer hingegen, die durch Zyklon-B-Gas (das Zyankali enthält) getötet wurden, verübten nicht Selbstmord und wollten auch nicht sterben. Sie hatten den verzweifelten Willen, mit allen Mitteln zu überleben, und sie gelobten, der Welt zu berichten, was geschehen war. So stark war dieser Wille, daß sie oft so schnell wie möglich wiedergeboren werden wollten, mit intakten Erinnerungen an den Holocaust. Jene, die nicht unmittelbar wiedergeboren wurden, blieben manchmal in der Gegend der Greueltaten an die Erde gebunden – auch wieder um Zeugnis abzulegen. Andere Holocaust-Opfer betrachteten ihren Tod als Kiddusch ha-Shem (eine jüdische Form von Martyrium durch Verfolgung) und erwarteten, direkt in den Himmel zu gelangen. Aber nirgends finden wir in den Annalen des Holocaust Berichte von Juden, die, nachdem sie ermordet worden waren, ihre ewigen Seelen im Weltall auflösen wollten. Steiners Aussage über Zyankali gilt nicht für die Opfer des Holocaust.

Hingegen besteht die schauerliche Möglichkeit, daß die Nazis genau deshalb Zyankali verwendeten, weil sie damit außer den Körpern auch die Seelen der Juden zu zerstören hofften. Wenn dies der Fall war, dann täuschten sich die Nazis. Wie die Geschichten dieses Buches klar aufzeigen, haben diese Seelen nicht nur die Vergasung mit Zyankali überlebt, sie wurden auch in neuen Körpern wiedergeboren, um in diesem Leben Heilung zu finden. Viele helfen außerdem mit, andere zu heilen, setzen sich für die Menschenrechte, für Gleichberechtigung und ganz allgemein für die Freiheit in der Welt ein. Wieder andere entdecken jetzt die Freude und Schönheit der Jiddischkeit von neuem und tragen zu einer Wiedergeburt jüdischer Spiritualität bei, damit sich diese wieder so entfalten kann, wie sie vor dem Holocaust war. Ich bin überzeugt, daß in der Generation der «Geburtenwelle» zu einem großen Teil Seelen geboren wurden, die im Zweiten Weltkrieg gelebt hatten und zurückgekehrt sind, um in vielerlei Hinsicht an der Heilung unseres Planeten mitzuwirken.

Ich glaube, dieses Buch ist ein wichtiger Teil dieses Heilungsprozesses. Wie im 15. Kapitel («Der Kreis der Thora») in Teil II erklärt, habe ich mich jetzt von der Reinkarnationsberatung zurückgezogen, um in meinem Leben weiterzugehen. Die Bücher aber stellen weiterhin wichtige Heilungsmodelle dar und können Menschen, die sich in einer solchen Art von Therapie befinden, als Leitfaden dienen. Ein persönlicher Kontakt mit mir ist nicht mehr nötig, um Heilung von Holocaust-Wiedergeburts-Traumata zu erlangen. Nötig sind nur ein offener Sinn und die Bereitschaft, diesen Geschichten vorurteilslos zu begegnen. Mit dieser Bitte grüße ich Sie mit meinen herzlichen Segenswünschen.

1. August 1997
Rabbi Yonassan Gershom

©1997 Yonassan Gershom
und Beat Brodbeck, &uumu;bersetzer (Mit Erlaubnis)

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